
Ich passierte die Grenze kurz nach Mitternacht gemeinsam mit einer jungen Schottin, die seit vier Jahren per Autostopp auf der ganzen Welt unterwegs ist. Die Grenzbeamten hatten ihre Freude an uns beiden, ich glaube, sie hielten uns für eine ziemlich verrückte Familie…
Cash fand ganz schnell einen LKW-Fahrer, ich kam auch gut per Anhalter nach Moskau (einen halben Tag später:-). In Moskau fuhr ich allein mit der Metro zum Bahnhof und kaufte am Schalter eine Fahrkarte nach Jekaterinburg (bzw. kurz davor) – ich kann mich nun ein bisschen verständlich machen!

Im Zug traf ich ein junges Paar, frisch verheiratet, aus Sotschi.
Zugfahren in Russland ist toll … zusammen essen und erzählen … und dann wieder hoch auf die Liege und ein Nickerchen machen. Alle im Zug machen das in einem bunten Wechsel …
Kurz vor Jekaterinburg stieg ich aus und wurde sehr nett verabschiedet. Ich wollte ein bisschen am Rande des Urals wandern.

Nach drei Wochen in Deutschland, dem Trubel in Moskau und im Zug sehnte ich mich nach etwas Ruhe im Wald. Kontrastprogramm!
Doch dort war es noch richtig Winter und zum ersten Mal zweifelte ich komplett: „was machst Du hier eigentlich“, fragte der Kopf das Herz …
… was ein Unterschied zwischen Bayern und dem Ural.

Nun bin ich Jekatarinburg angekommen und treffe besondere Menschen.
Ob in der Universität oder in der Touristoffice, die Menschen haben Zeit und sind geduldig mit mir … das hilft mir sehr!

Hier in Jekatarinburg konnte ich alles erledigen…
Ich konnte meine Ausrüstung an Sibirien anpassen und meine Wege planen.

Es war eine tolle Zeit, hier noch einige Eindrücke.

Hier ganz oben habe ich den Kauf der Ausrüstung mit mir gefeiert.

Hier wurde die Familie des letzten russischen Zars verscharrt – nun ein heiliger Ort.
Ich habe eine Kerze für meinen Vater und meinen Weg angezündet.
Sicherheitshalber lade ich hier mal die Karte mit der geplanten Route hoch …

Heute morgen im Zug kurz vor Krasnojarsk <3!

So sah es aus, als ich abends die Angara erreichte.
Der Fluss zugefroren – und es gab ein Hotel.
Dort blieb ich eine Woche, um dem Fluss zuzuhören.
Denn wandern war unmöglich, alle rieten mir ab.

Es lag noch fast ein Meter Schnee. Dafür konnte ich vom Fluss lernen.
Für alles gibt es die richtige Zeit. Auch für mich. Komm wieder.

Und dann begann das Eis zu schmelzen. Es floss einfach den Fluss hinab.
So etwas habe ich noch nie gesehen.

Morgen wandere ich weiter Richtung Süden. Mit hoffentlich weniger Schnee …

Ich erlebe in diesen Tagen besondere Momente.
Denn in Mokrushinskoje verpasste ich den Autobus.
Aber es gab frisches Wasser.

Auf der Karte sah ich, es ist nicht sehr weit bis zum Jenissei.
Ich übernachtete an einem kleinen Zufluss.

Am nächsten Morgen fand ich durch den Wald zum Fluß.
Und hier, nur ca. 60 km südlich, war kein Schnee mehr im Wald und ich konnte am Fluß entlang wandern.

Hier wird es schon ein bisschen Frühling. Alles wird gerade grün.
Und ich fand – ziemlich hungrig – das erste Dorf ohne Laden.
Aber eine alte Dame schenkte mir Essen.

Am nächsten Morgen kaufte ich wieder ein.
Und fragte eine nette Frau nach der Bibliothek, aber die hatte leider geschlossen.
Die Frau machte mich deshalb mit einer anderen Frau bekannt und so konnte ich einen Computer in der Verwaltung nutzen – ich saß im Zimmer des Bürgermeisters und durfte seinen Rechner nutzen, um meiner Mutter eine E-mail zu schreiben!

Die Infrastruktur hier ist einfach. Und die Herzen der Bewohner sind offen.
Ich wurde gastfreundlich empfangen und eingeladen!

Ich feierte zusammen mit den Bewohnern von Mokrushinskoje den 9. Mai.
Es berührte mein Herz tief, friedlich zu feiern und zu singen.

Danach photographierten wir uns alle gegenseitig.
Auf dem Heimweg zum Zelt am Fluss klingen die russischen Lieder noch lang in meiner Seele.

Wasser aus dem Fluss habe ich nur einmal abgekocht.
Danach habe ich es lieber wieder eingekauft.

Am nächsten Tag wanderte ich nach Süden zu einem kleinen Dorf namens Porog. Eine abenteuerliche Straße führte dorthin.
Aber auf dem Weg durch den Wald fand ich eine ganz neue Art fernzusehen!

In dem Dorf leben – die meisten nur im Sommer – sehr einfallsreiche nette Menschen.
Wenn das Dach nicht mehr dicht ist – bau ein zweites!

Das Dorf muss einmal wunderschön gewesen sein.
Heute sind die Häuser dort sehr unterschiedlich.

Und es wird sogar neu gebaut – ein Holzhaus mit zwei Stockwerken.
Alles wird vor Ort angefertigt und dann an der Stelle des alten Hauses aufgebaut – über dem alten Keller.

Hier wurde ein Teil des Hauses zur Probe aufgestellt.
Das alte Haus hat 100 Jahre gehalten – tolle Männer aus Sibirien!

Am Tag nach dem Nationalfeiertag traf ich zum ersten Mal Menschen am Fluss.

Diese Familie aus Момотово lud mich zum Picknick ein – für mich ein besonders schönes Erlebnis.
Wir aßen vom Tisch mit einer einzigen gemeinsamen Gabel und tranken aus einem Glas. Wir lachten viel – Danke für Eure Gastfreundschaft!

Mein kleines Abschiedsgeschenk von den Kindern…
Ich hoffe, wir sehen uns wieder… Bitte schreibt, wenn Ihr das lest!

Nach acht Tagen im Zelt gönnte ich mir in Kasashinskoje ein Hotelzimmer … mit grandiosem Blick.
Einfacher europäischer Standard … plus Teekocher!
Ich liebe auch die Zivilisation!

Hier in der Provinzhauptstadt Казачинское ist es toll, ich habe eine Frau kennengelernt, die Touristen unterstützt. Sie heißt Albina Maslawa.
An deren Computer im Kulturhaus darf ich gerade arbeiten.
Ich bekam WLAN, konnte frische Pfannkuchen und Milchkaffee kaufen, mein Smartphone laden und meine Bilder sichern.
Denkt mal, was würde eine deutsche Verwaltung zu einem russischen Touristen wie mir wohl sagen?

Und es gibt eine kleine besondere Kirche und ganz tolle Natur!
