Mir ist seit meiner Rückkehr nach Deutschland bekannt und bewusst, dass die Anastasia-Bewegung in Deutschland kritisch gesehen wird. Hier geht es zu dem kontraste-Beitrag: ARD-Mediathek oder youtube.
Als ich nach Russland aufbrach und erste Kontakte knüpfte, war mir das nicht bewusst. Ich war einfach neugierig. Auch beim Lesen der Bücher von Wladimir Megre „überlas“ ich einige Kapitel oder interpretierte schwer nachvollziehbare Aussagen in der Richtung, wie ich glaubte, dass sie gemeint sein könnten. Ich genoss die vielen guten Fragen, die gestellt wurden. Oft versteckte Megre seine Aussagen hinter Fragen wie „was denken Sie, geneigter Leser, über …“ und dann erlaubte ich mir, mir meine eigenen Gedanken zu machen. „Wer in der heutigen Zeit selber denkt, gilt schnell als rechts“, so fand ich einen Kommentar auf WELT.DE. Dem muss ich leider etwas bestürzt zustimmen.

Ich schreibe hier von meinen eigenen und subjektiven Erlebnissen, die auf authentischen Kontakten und Begegnungen in Russland beruhen. So einfach ist es gerade in Russland mit DER Anastasia-Bewegung nämlich nicht. Besucht habe ich drei „Anastasia-Dörfer“, die ich über die offizielle Anastasia-HOMEPAGE gefunden habe.
Diese würde sich selbst aber nur teilweise als Anastasia Dörfer bezeichnen. In allen drei Dörfern gab es Menschen, die die Bücher gelesen hatten, gut fanden und versuchten, danach zu leben. Gleichermaßen gab es Menschen, die die Bücher gelesen hatten, aber nichts Richtiges damit anzufangen wussten. Sie suchten aber Gleichgesinnte fürs gemeinsame Leben auf dem Land und da ging es um die Praxis, nicht um die Theorie. Und immerhin fast die Hälfte der Menschen dort, hatte die Bücher gar nicht gelesen, sondern fand einfach die Menschen im Dorf und das gemeinsame Leben nett.

Subjektive Eindrücke aus dem Dorf „Reiner Himmel“ (21.12.18-15.1.19)
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zum Blogbeitrag (zweisprachig und bebildert!)

Ich durfte „zwischen den Jahren“ das Haus (insbesondere den Ofen), den Hund und die Katze der Familie allein hüten, wo ich vier Wochen zu Gast war.
Und dann: Stromausfall. Laut Zeitungsbericht soll halb Schweden ohne Strom gewesen sein – ich war es hier auch. Ein kleines Abenteuer, denn ohne Strom gab es auch kein Wasser, weil die Grundwasserpumpe nicht ging. Immerhin hatte ich Gas. Und gerade als ich nach einem knappen Tag ohne Strom Schnee schmelzen und abkochen wollte, ging das Licht wieder an.

Ich habe fast ständig russisches Fernsehen im Hintergrund, so wie viele Familien im Dorf hier auch. Ich mag einfach den Klang der russischen Sprache.
Im russischen Fernsehen sehe ich viel deutsche Werbung für Schokolade, Katzenfutter, Autos und „Gesundheit“ … Hier im Dorf machen einige Menschen das meiste selbst, kochen viel ein und stellen auch teilweise ihre Süßigkeiten selbst her.

Licht empfinde ich hier als Statussymbol. Die Menschen hier im Dorf gehen unterschiedlich damit um. Manche beleuchten Ihre Einfahrt den ganzen Abend wie mit Flutlicht. Andere verzichten ganz auf ein Außenlicht.

Kleidung sehe ich hier auf dem Dorf als eher zweitrangig und auf pragmatische Dingen ausgerichtet. Sebezh, die kleine Stadt in der Nähe (ca. 30 km), ist ein Einkaufsparadies für entscheidungsschwache Menschen wie mich … es gab genau eine Alltags-Hose. Für Angler und Jäger hing dagegen ein ganzes Regal voll!

Die Menschen hier scheinen es gern kuschelig zu mögen, so mein Eindruck.
In den Häusern laufen die Kinder meist nackt, die Erwachsenen in Shorts und die Männer ohne T-Shirts. Wird es zu heiß, werden manchmal einfach die Fenster geöffnet. In den meist kleinen Häusern wohnen unendlich viele Geschichten auf mitunter sehr wenig Raum …

Das Dorf scheint mir auf die Freiheit jeder einzelnen Familie ausgerichtet.
Jede Familie lebt so, wie sie es mag. Es gibt keine Regeln, die für alle gelten, es gibt auch keine verbindlichen „Befindlichkeits-Treffen“ oder Diskussionen, wie etwas zusammen gemacht werden soll (so etwas ist in deutschen Gemeinschaft eher üblich!) …
Hier definiert sich Gemeinschaft vielleicht nicht über Regeln, die dann überwacht und eingehalten werden müssen, sondern über zwischenmenschliche Nähe unter Nachbarn. Allerdings – wenn ich nicht auf Menschen zugehe, dann bleibe ich allein.

Ich empfinde es als ähnlich wie einem kleinen hessischen Dorf, in dem ich mal ein paar Jahre gelebt habe. Dort gab es einen samstäglich gemeinsam genutzten Dorfbackofen – hier gibt es einen gemeinschaftlichen Lagerfeuerplatz mit Hütte und Bühne.
Ansonsten gilt, was Deinen Nachbarn nicht stört, ist erlaubt.
Und die Menschen hier singen gern. Die Menschen hier haben noch Zeit.

Manche haben IT-Jobs und arbeiten von Zuhaus übers Internet, viele sind Handwerker oder Bauern oder Rentner. Die Frauen tragen Röcke oder Hosen, arbeiten oder tun dies nicht … und fast alle Familien haben mehrere Kinder.
Wenn jemand vorbeikommt, wird Tee getrunken und erzählt. Manchmal setzen sich die Männer dazu, manchmal überlassen sie das Reden  ihren Frauen.
Von außen sehen alle Holzhütten recht ähnlich aus, eher funktional als repräsentativ – von innen könnten sie unterschiedlicher nicht sein!
Auch die Kindererziehung ist nicht einheitlich, sondern in jeder Familie teils vollkommen unterschiedlich.

Als einzige verbindliche Einrichtung gibt es einen selbstverwalteten Kindergarten, der aber auch nicht von allen genutzt wird… Gemeinschaftliche Kommunikation fand über eine „skype“-Gruppe statt, wo in erster Linie die Fahrgemeinschaften zum Einkaufen in den etwa 30 km entfernten nächsten größeren Ort koordiniert wurden. Wer dorthin fuhr, bot die Fahrt an und nahm so viele Nachbarn mit, bis das Auto voll war. Auch wurde dort zum gemeinsamen Singen, Basteln, Bootsbauen, Eishockey-Spielen und zu Gesprächskreisen eingeladen… Ab und zu gab es vereinzelt persönliche Statements von denjenigen, die diese Kommunikationsform am häufigsten nutzen.

Noch mit dobrosvet und smarodinka ergänzen…
Während meiner zweiten Russlandreise war ich in Sibieren (nördlich von Krasnojarsk) in zwei Dörfern wieder für einen guten Monat zu Gast.

                   

ps. Über Rechts und Links –> Politik

Ich suche Menschen, die eigenständig denken, jenseits von links und rechts und die sich nicht von einem siebtel? Schwachsinn im Buch abschrecken lassen und wegen einem Siebtel gleich alles brankmarken, sondern ich suche menschen, die Schwachsinn abstrahieren und die guten Ideen und Gedanken fühlen, die die Suche feiern, die eigene Wege gehen wollen…