Ich versuche hier, so ehrlich als nur möglich zu sein. Auch über mich selbst.
Ich habe in den letzten Beiträgen eher von meinen dunklen Seiten berichtet – das sollte vielleicht so manche frühere „Jubelgeschichte“ ausgleichen … vor allem war es das erste Mal, dass ich mich öffentlich zu meiner Krankheit bekannte und einfach auch mal von meinen dunklen Phase erzählt habe.
Hier strebe ich die Mitte an.

Ich kam als Sohn einer Schauspielerin aus dem Münsterland und eines Industriekaufmanns aus Pommern (heute Polen) zur Welt. Die beiden Menschen aus ganz unterschiedlichen Welten wurden einander in Augsburg (in Süddeutschland, nahe München) vorgestellt. So wuchs ich im Vorort der alten Römer-Stadt auf, die ich als eine der reichsten und schönsten Städte der Welt empfinde (+ Friedens + Fugger + Textil + Mozart + Brecht + Puppenkisten und ganz aktuell Wasser-Stadt).

Augsburg neigt (wie ich) als sozialer Organismus vielleicht dazu, sich zu „verzetteln“, d.h. die vielfältigen Talente bremsen sich gegenseitig aus?

und das Gefühl des Andersseins – immer schon:-)

ich wollte das ich anders wär – und am Ende wählt sich der kleine Junge in der Geschichte oder Buch doch selbst?

Akzeptanz meiner Selbst so wie ich bin, so wie ich geboren wurde!
Anpassung UND das eigene in die Welt bringen (Gelassenheitsgebet)

Seit ich eigenständig denken kann, fühle ich mich „irgendwie anders als die anderen“. Als Kind schwankte ich beruflich zwischen Hofnarr, Spion,  Holzhacker und Zauberer, aber meinen größten Wunsch sollte ich erst viel später entdecken…
Beim Abitur legte ich keinen Wert auf Noten, sondern minimierte meine Anwesenheit in der Schule. Nach nur einem guten Jahr Ausbildungszeit bot Siemens mir per Ausnahmeregelung die Industriekaufmannsprüfung an, alternativ hätte ich abgebrochen und das gab es damals bei Siemens nicht…
Nach abgeleistetem Zivildienst fühlte ich mich frei von gesellschaftlichen Verpflichtungen, legte mir Bauwagen und Traktor zu und zog vier Jahre als Straßenkünstler umher oder „erdete“ mich auf biologischen Bauernhöfen.

Meine Lehr- und Wanderjahre setzten sich fort mit einer Ausbildung in Magie (bei einem Magier, der am Ende doch keiner war –> LINK) und einem Bio-Restaurant in Concarneau (Frankreich, Bretagne).
Dann kehrte ich nach Augsburg zurück und unternahm einen langfristig angelegten Anpassungs- und Wiedereingliederungsversuch. Ich war bereit, Hilfe anzunehmen (sechs Jahre Psychotherapie, dann unterschiedliche Kombinationen von Psychopharmaka) und mich zu binden (16 Jahre Ehe).

Doch die Höhen und Tiefen meine bipolaren (manisch-depressiven) psychischen Disposition blieben. Trotz aller Bemühungen kam ich nicht dagegen an: immer wieder gab es Phasen in denen ich mich nur verkriechen konnte oder Berge versetzte und für ehrliche Begeisterung sorgte – die Mitte (inkl. einem klaren stetigen Ziel) gab es kaum.
26 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen waren zu Beginn immer Traumjobs, alle meine Beziehungen die große Liebe, selbst ein Universitätsabschluss änderte nichts daran, dass ich mich aufgrund meiner immensen Stimmungsschwankungen nicht immer auf mich selbst verlassen kann. Ich habe die schönsten Pläne und Ideen – und scheiterte bisher an der langfristigen Umsetzung.
Die eine Seite in mir will nur ungern zugeben, dass mein Innenleben nicht „normal“ funktioniert. Die andere akzeptiert erleichtert meine Erwerbsunfähigkeit seit März 2018. Seitdem ich überwiegend in meinem eigenen Rhythmus leben darf, komme ich ohne Medikamente zurecht.

Ich habe zwei Söhne (28+19), beide sehr selbständig, beruflich erfolgreich – manchmal denke ich, vielleicht war ich „ein Teil von jener Kraft…“, die am Ende doch das Gute schafft?
Mehrere hübsche Urkunden bezeugen meinen guten Willen zur gesellschaftlichen Integration und zur Leistungsbereitschaft, doch wenn ich so lebe wie die Mehrheit, verliere ich mich immer wieder selbst. Und wenn ich lebe wie ich bin, fühle ich mich einsam, also musste ich das Alleinsein aushalten lernen!
Beziehung bedeutete für mich immer eben auch die stabile Anerkennung, die ich mir selbst nicht geben konnte, Hilfe bei den Aufs und Abs im Alltag und viele unvergessliche und ganz besondere Momente.
Die Frage vor meinem Aufbruch nach Russland lautete: Kann ich die Liebe, die ich für andere Menschen empfinde, auch für mich selbst empfinden? Kann ich den direkten Weg zu mir selbst gehen? Mir selbst Partner und Partnerin sein?

Mir ist inzwischen klar, dass die Wanderung nun stärker in mir selbst weitergeht – bislang fanden die Abenteuer überwiegend im Außen statt, nun werden sie mich zunehmend im Innen herausfordern… Abenteuer im Außen sind leichter als Abenteuer im Innen. Am Ende brauche ich vielleicht beides?

Nach einem Berufsaussichten-Check in jungen Jahren wurde mir die „Schizophrenie meiner Wiege“ (so nannte ich das damals) klar: Schauspielerin und Industriekaufmann, das sind schon zwei ziemlich unterschiedliche Welten… Ich passte beruflich überall und nirgends und konnte mich für wirklich alles begeistern. Nur hielt diese Begeisterung nie lange an…
Deswegen wurde in jungen Jahren mein Lebensziel: weise werden. Dieses Ziel ist nicht messbar, es gibt keine Berufsausbildung dafür und kein staatliches Examen – eher lebenslange Prüfung. Vielleicht steht in einer auf Massenkonsum ausgerichteten kapitalistischen Gesellschaft in der Wissen per Mausklick abrufbar ist, Weisheit nicht allzu hoch im Kurs? So wurde ich in den Augen vieler zum „Lebenskünstler“, aber das trifft nur auf die eine Seite in mir zu, mit der anderen scheitere ich ja immer wieder grandios am Leben…

Der Geschenk der Wachheit meines Vaters brachte mich erst nach Russland und dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In Russland dachte ich (mal wieder), ich hätte meine bipolare Disposition endlich überwunden und nach meiner Rückkehr ginge es „so richtig“ los? Das Gegenteil war der Fall, ich sah so sehr keine Möglichkeit mehr, das, was sich in mir in Russland geöffnet hatte mit mir selbst in Einklang zu bringen, dass mich (fast!) nichts mehr hielt, meinem Vater in die nächste Dimension zu folgen.
Ein leises „aber bitte doch nicht so“ hielt mich glücklicherweise zurück und ich begann quasi „auf Null“. Täglich wandernd raus in die Natur – das ist (so glaube ich) für mich die einzige Möglichkeit, dauerhaft stabil mit meiner psychischen Disposition zu leben. Manchmal empfinde ich das als Last: „und was machen Sie beruflich?“ – „ich bin erwerbsunfähiger Frührentner und wandere täglich drei bis vier Stunden, um mit meiner Stoffwechselstörung klar zu kommen“. In Russland mochten das die Menschen und suchten den Austausch mit mir, hier ernte ich meist ein vielschichtiges Lächeln und das Gespräch ist beendet.

In Russland wurde mir die Weisheit geschenkt, von der ich mein Leben lang geträumt habe. Ein „Erweckungserlebnis“, so schrieb Moskauer Deutsche Zeitung. Der weise Fluss Angara gab mir eine schwer verständliche Gebrauchsanweisung mit auf den Weg. Da lohnte es sich, erst einmal vier Monate nachzudenken – dies ist die andere Betrachtung meiner psychischen Disposition. Heute danke ich meiner Krise auf Knien, sie zwang mich zur Betrachtung, statt gleich loszulegen. Meine Stimmungschwankungen zwingen mich zur Langsamkeit, denn wer vier Stunden am Tag wandert, macht in der restlichen Zeit des Tages nicht mehr so viel Blödsinn?
Und das Wandern öffnet mich für den Geist. Was ich hier schreibe, trifft niemals, was ich manchmal spüre und ich ringe oft um eine Form, mich verständlich zu machen. Ich ringe nicht um Aufmerksamkeit, suhle mich nicht in „Klicks“ oder „Likes“ – und doch betrachte ich es als meine kleine Aufgabe, von dem, was ich erlebe zu berichten. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die unterschiedlichen Bereiche meines Gehirns „ansprechbar“ sind. Ich schreibe hier in ganz unterschiedlichen Seins-Zuständen – von höchster Verbundenheit über „ich kann gerade noch funktionieren“ bis zum Gefühl des Abgeschnitten-seins-von-der-Welt … aus meinem Gewitter-Naturspektakel in Kopf und Herz das Wesentliche zu destillieren, verbindet mich mit der Welt?

Immer wieder will ich Besonderes schaffen, vielleicht weil ich mich schuldig fühle, dass ich nicht so bin wie die meisten anderen? Aber vielleicht bin ich extra so geschaffen worden?

Ich bin bipolar, lebe die eine Hälfte meines Lebens voll Power, die andere Hälfte verbringe ich im Bett (überspitzt dargestellt). Dadurch, dass ich mir das selbst noch nicht so richtig eingestanden habe (mangelnde Krankheitseinsicht), fällt mir das oft selbst nicht auf und ich erwecke in meiner Umgebung etwas „heldenhaftes“. Weil ich den horizontalen Rest gern verstecke, verschweige…
Wenn ich das hier „zugebe“, hat das für mich was Ewiges (das Netz vergisst nicht) … und das schreibe ich vor allem für mich selbst. Wenn ich dann neue Leute zu blenden versuche (in den Powerphasen), hoffe ich zukünftig auf Antworten wie „aber hast Du nicht geschrieben, dass…“ und am meisten hoffe ich, dass diese Einsichten dann zukünftig in mir selbst entstehen.

Gestern meinte der kluge Sohn von Sahrah, vielleicht brauche ich einfach mal ein bisschen BEDENKZEIT?
Ich habe die Quelle, die mich zehn Monate erquickte, aus visarechtlichen Gründen (für mich gefühlt viel zu früh) verlassen müssen und bin nun von ihr abgeschnitten. Ich fiel tiefer als sonst, weil ich nun die deutsche, europäische, westliche Welt mit anderen Augen sehe, nachdem ich einmal (alleinreisend, wandernd mit Zelt) in die russische, sibirische, östliche Sphäre eingetaucht bin.
In diesem Sinne fange ich an, meine Depression, meinen Totalrückzug, mir nicht dauernd vorzuwerfen, sondern zu akzeptieren und ganz manchmal sogar ein bisschen zu genießen!
Vielleicht ist es nach zehn Monaten unterwegs wirklich ne feine Sache mal ein paar Wochen im Bett zu verbringen, nicht beim ersten Impuls aufzuspringen und die nächste Bauchidee einfach umzusetzen, sondern mit einfach ein wenig BEDENKZEIT zu gönnen!

Die ILENFELDs waren im hohen Mittelalter ein Raubrittergeschlecht im Brandenburgischen. Nahe Neubrandenburg gibt es ein Dorf namens Ihlenfeld und im Museum Neubrandenburg Belege des Wirkens meiner Vorfahren. Dies erfuhr ich auf dem ersten Ihlenfeldt-Familientreffen und bin auch stolzer Besitzer der Ilenfeldschen Familienchronik (mein Dank hierfür an Helmut Ihlenfeldt aus Hamburg, mein Cousin siebten(?) Grades). In dieser Chronik sind alle Ilenfelds (die unterschiedlichen Schreibweisen kommen daher, dass bis vor einigen Jahrzehnten die Schreibweise eines Namens selbst gewählt werden konnte) meiner Linie seit dem 30-jährigen Krieg verzeichnet – aus Raubrittern wurden (Guts-) Verwalter und Kaufleute.

In dieser Tradition sehe ich mich als geistiger Raubritter – als Raubritter im Geiste der Fragezeichen mit diesem Blog als Burg-mit-den-tausend-Türen?

Wenn ich lange wandere, öffnet sich manchmal eine Pforte zum Geist und ich fühle mich erfüllt von Geist. Das ist eine nicht ungefährliche Sache, weil sich vielleicht auch mit „Geist“ viel Geld verdienen, heilen, Macht ausüben lässt?
Deswegen bemühe ich mich, Fragen zu stellen, die Dich vielleicht selbst in Verbindung mit dem Geist bringen können. Ich versuchte, keine Botschaften zu übermitteln (der Geist ist auch in diesem Moment um Dich herum und versucht Dich zu erreichen?), sondern Fragen zu stellen und wenn immer möglich „nur“ von meinen Erfahrungen so zu berichten, dass Du sie lesen kannst und dann bitte damit machen kannst, was Du willst?

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