Ich versuche hier, mich auszudrücken, ohne Dich überzeugen zu wollen. Ich möchte meine Gedanken, meine Wahrheit nur bis zur Mitte zwischen Dir und mir „schubsen“, damit noch genug Platz für Dich, Deine Gedanken und Deine Wahrheit bleibt.
Darf ich Dir hier anvertrauen, dass mir das, was ich schreibe, manchmal selbst Angst macht? Und gleichzeitig, im Hinschreiben, entsteht der Mut, so zu schreiben, wie ich es versuche, tastend (Freud!) und freudig meinen Weg im Schreiben suchend? Zwischen Dir und mir die Mitte erspürend?
Wenn ich wandere, entscheide ich oft aus dem Bauch heraus UND habe einen Kompass dabei. Wenn ich schreibe, trage ich das Bild mutiger Menschen in mir, Menschen, die mit ihrer Angst beten, Menschen, die still werden, die in sich hineinzuhorchen versuchen … und nicht aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit den aktuell lauten Einladungen zu einfachen Lösungen hinterherlaufen – egal wem oder welcher Art?

Vor noch wenigen zehntausend Jahren zogen die Menschen als Stämme, als Gruppe gemeinsam durch eine unbarmherzig erscheinende Natur. Der Einzelne konnte ohne seinen Stamm, seine Gruppe nicht überleben: es gab keine Frischetheken in Lebensmittelmärkten oder Leitungsbezüge der Sozialversicherung. Es gab nur dem Stamm, in dem das jeweilige Individuum unterwegs war. Das Individuum konnte diese Zugehörigkeit nicht in Frage stellen – ein Überleben war nur in der Gruppe möglich. Vielleicht hat sich das Individuum damals anders gefühlt – als wichtiger unverzichtbarer Teil eines größeren Ganzen, des Stammes? Es konnte keine individuelle Betrachtung von Richtig und Falsch geben, es gab nur das, was gut für den Stamm, die Gruppe war?
Vielleicht ist die kollektive Erinnerung an diese Zeit, in der sich Menschen komplett eingebunden fühlten, im heutigen Mythos des „Paradieses“ gespeichert? Im Paradies war das Individuum Teil eines größeren Ganzen und musste sich nicht mit komplexen Entscheidungen bzgl. Richtig und Falsch, Gut oder Böse herumschlagen?

Gleichermaßen war in dieser Eingebundenheit keinerlei Raum für individuelle Entfaltung, der Stamm, die Gruppe, die Gemeinschaft war immer das bestimmende Element. Auch konnte die Handlungsweise eines Stammes nicht wirklich vom Einzelnen hinterfragt werden, weil ja das eigene Überleben von der Gruppe abhing.
In der aktuellen Zeit ist das Pendel über Jahrtausende an Entwicklung weg von der Gemeinschaft hin zum Individuum umgeschlagen. Das Individuum, der einzelne Mensch steht nun (bis zur Unantastbarkeit seiner Würde) im Mittelpunkt. Von den Möglichkeiten als Individuum her ist diese Entwicklung grandios. Doch die Gemeinschaft, der Stamm, die Menschheit ist nicht handlungsfähig als Ganzes. Da das Überleben des Einzelnen nun aber wieder auf dem Spiel steht, ist vielleicht eine Art Rückbesinnung auf kollektive Werte zu beobachten?

Als Mensch bin ich vielleicht GLEICHZEITIG eigenverantwortliches Individuum UND Teil eines größeren Ganzen, Teil eines Organismus: ein Teil zweier Beziehungspartner, ein Teil meiner Gruppe, meines Stammes, meines Volkes, ein Teil der Menschheit?
Diese Gleichzeitigkeit von Individuum und Gemeinschaft ist unbequem. Als Teil der Menschheit begegne ich dem klimatischen Wandel anders als als komfortbedürftige Individuum?
Einerseits orientiert sich das Individuum schlicht und ergreifend an seinem Nachbarn, bzw. an seiner Nachbarschaft. Dies lange Zeit des Umherziehens in einem Stamm mit 80-300 Menschen ist vielleicht tief in unseren Genen gespeichert bzw. hat sich vielleicht tief in unser kollektives Unwewusstes eingegraben?
Allerdings leben wir heute durch technischen Fortschritt vielleicht in einer Art „erweiterterten Nachbarschaft“, die uns vertraute Größe von 80-300 Menschen lässt sich nun auch weltweit verstreut in einer Gruppe bei facebook als virtuelle Nachbarschaft fühlen?
Insofern ist es vielleicht nachvollziehbar, das in der aktuellen Krise der „gefühlte“ Sprung von einer 80-300 starken Gruppe auf die ganze Menschheit zu groß ist und so die Nation als nächst kleinere Größe in der heutigen Zeit für viele Menschen eine ganz neue Wichtigkeit gewinnt?

Das Pendel zwischen der Orientierung an kollektiven und individuellen Werten schwingt unaufhörlich hin und und her – das einzig stetige ist der Wandel. Alles befindet sich im Fluss. Nun ist der Wunsch nach einer kollektiven Identität wieder größer, es ist vielleicht schlicht menschlich, denn das Individuum möchte gleichzeitig eben auch Teil eines größeren Ganzen sein, will sich zugehörig und eingebunden (und damit sicher!) fühlen … und nicht nur frei … (und damit unsicher)?
Die Quantenphysik hat unser Weltbild in Frage gestellt, aber sie ist vielleicht noch lange nicht im Alltag unserer „normalen“ Welt angekommen? Wie gehe ich als Mensch mit der „Unschärfe“ zwischen meinem Empfinden als Individuum und gleichzeitig als Teil eines größeren Ganzen im konkret gelebten Alltag um? In der aktuellen Krise scheint die Rückbesinnung auf nationale Werte für die einen Rettung, für die anderen Gefahr?

„Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist eine nicht minder große Wahrheit“ (link) war das lakonische Mantra meines Meisters, der am Ende keiner war. Wie passend?
Die Wahrheit beginnt zu zweit (möller) – link: Ich bin Du und Du bist ich?
Meine Frage lautet: Kann die Gleichzeitigkeit (hier zwischen Individuum und Kollektiv) als die quantenphysikalische Betrachtung des Menschseins gelten? Wie sähe das im Alltag aus?
Ist eine Kommunikation jenseits von richtig und falsch, jenseits von Recht haben wollen und Überzeugung meines Gegenübers möglich? Ist auch hier die Gleichzeitigkeit zwischen dem Genuss, recht zu haben und der Möglichkeit des inneren Wachstum, diesem Genuss zu entsagen möglich?
Einerseits bezieht der Mensch vielleicht lebenswichtige Anerkennung aus dem Gefühl „recht zu haben“ und andererseits ist es gleichzeitig lebenswichtige menschliche Weiterentwicklung zu lernen, jenseits von richtig und falsch zu kommunizieren? Ist es möglich, dass ein Mensch seine Überzeugung beobachten kann? Das er sie gleichzeitig „haben“ und in Frage stellen kann?
Dass ein Mensch Recht haben und Falsch liegen kann – zugleich?
Was bedeutet dies zu Ende gedacht für linke und rechte Gemeinschaften?

Geschichte vom Rabbi
du recht, du recht und ja, du auch?

Durch unsere weit entwickelte menschliche Sprache sind einerseits differenzierte Betrachtungen möglich – doch ohne das Spüren, was kommt beim Gegenüber an Information an, können Nissverständnisse entstehen. Wie könnte eine Sprache sein, in der sich Menschen gleichzeitig ausdrücken UND spüren?

In jedem von uns ist göttlicher Kern

In jedem Gegenüber ist ein Teil von uns (verbunden und frei)

nicht-wissen, nicht alles verstehen, ein gewisser Teil entgeht mir immer

Zitat: Die wahren Herausforderungen sind im Innen, dort ist die größte Kraft versteckt.
Oder anders, in der Verbindung von Innen und Außen, von Herz und Kopf, durch diese Verbindung entsteht Gleichzeitigkeit und daraus große Kraft!

Viele Menschen sind bestens informiert, viele lassen sich auf hohem Niveau unterhalten? Wie sähe eine Welt aus, in der diese Impulse auch umgesetzt, gelebt werden? Vielleicht will die Welt gar nicht von uns gerettet werden, sondern es geht darum, uns selbst zu retten? Uns selbst, damit meine ich den Komfort weniger, sondern uns als lebendige Menschen und nicht als gedanken- und gefühllose Wohlstandsanhäufer?

Der Mensch wirkt auf das Klima ein – aber gleichzeitig wirkt auch das Klima auf den Menschen ein? Kann die zusätzliche Energie einer Warmzeit (klima im Wandel) helfen, in komfortablen Überzeugungen festgekettete Menschen zu sich selbst zu finden? Oder hierzu eigenen Beitrag?
Gibt es ein Anrecht auf Lebensglück?

Macht Euch die Erde untertan UND macht Euch der Erde untertan? Das hatte ich den Alpen nur teilweise, bzw. einseitig verstanden.

Vielleicht leben wir in „schwierigen“ Zeiten
Krise=chance
Angst ist ein toller Ratgeber und kann sich im Gebet in Mut verwandeln?
Erfolg ist Beweis und größte Gefahr zugleich?

meine Erlebnisse in Russland, jeder durfte dort „seine“ Welt haben und die Leute kommen zusammen und tauschen sich über ihre Welten aus, sie sind neugierig, wollen nicht bekehrt werden, aber immer neugierig dazulernen!
es geht manchmal laut zu, aber die Beziehung ist nie in Gefahr, wenn einmal ein Gespräch begonnen wurde. Es geht nicht um „Gesinnung“, die Russen leben vielleicht weniger in „Blasen“ als ich das im Westen wahrnehme?

Die Betrachtung meines Gegenübers ist genauso wenig wahr, wie es meine ist, das heißt nicht, dass wir die Welt nicht betrachten und davon erzählen sollten, aber es sollte immer noch Platz für die Wahrheit meines Gegenübers oder vielen anderen Wahrheiten bleiben, ich bin Teil von etwas größerem, meine Wahrnehmung ist wichtig und nützlich für viele, wenn sie „die Wahrheit“ wird, dann ist es nur eine neue Religion, dann unterwirft sie andere Wahrheiten anstatt im Austausch zu sein. Demokratie geht über die Quantität, das ist eine wichtige Dimension, aber die Mehrheit kann irren. Vieles von dem, was ich sage, steht gegen aktuelle politische Korrektheit, kann in die Esoterik oder Verschwörungsecke hinein komplimentiert werden, alles was ich möchte, ist gehört zu werden, einen Impuls geben zu dürfen, einen Raum für gemeinsamen Austausch und Begegnung schaffen.

Einen Raum ohne Denkverbot oder Meinungsäußerungsverbot, einen Raum jenseits politischer Korrektheit und (manchmal praktischem, weil ich mir dann selbst keine Gedanken machen muss) Mainstream-FühlenundDenken, einen Raum jenseits von Richtig und Falsch. Ohne links und rechts, einen Raum, der die Tore zwischen den Dimensionen öffnet und für jeden etwas anderen erlebbar macht. Damit mache ich mich angreifbar und genau das möchte ich, an-greifbar, greifbar zu sein, wie ein Obst, das ich anfassen, angreifen, befühlen darf, bevor ich es kaufen, jenseits von Hochglanzverpackung und Mindesthaltbarkeit) Es ist für den Moment, für heute abend, für jetzt

Diesen Raum erträume ich schon seit ich Kind bin, was habe ich mir die Schule als einen solchen Raum gewünscht, nicht einer steht vorn, hat die Macht und Recht und nachmittags frei, sondern einen Raum zu sein wie jeder und jede und jedes ist und sein darf. Diese Bilder von dem Raum, von der Bühne standen im krassen Gegensatz zu meiner gesellschaftlichen Stellung als psychisch Kranker – oder vielleicht auch nicht? Ja, in einem winzigen Fragment bin ich so sehr von der Norm abweichend, dass ich so genannt werden darf. Und ich darf mich als Bereicherung, als vielleicht sogar notwendige Bereicherung dieser Welt in dieser Zeit sehen und dann haben beide recht und dürfen sein. Diese Bilder von der Bühne, von genau diesem Raum haben mich lange gequält, weil ich so gar nicht wusste, wie da jemals hinkommen sollte. Verschiedene Versuche von „Raumprojekten“ sind bitter gescheitert und waren wertvolle Versuche. Wir haben kaum Kultur des Scheiterns, wir lieben in unserer Kultur die Gewinner, Bayern München und Dschingis Kahn… wir alle, ich auch, wollen oder wollten Helden sein, aber mal ehrlich, wenn einer der Held ist, was bleiben denn dann für die anderen an blöden Rollen übrig? Und wenn alle Helden sind, sind es keine Helden mehr… wir brauchen vielleicht ein neues Ziel, wenn wir überhaupt noch die Zeit für neue Menschheitsziele haben oder andersherum, vielleicht brauchen wir die Krise um neu denken und fühlen zu lernen… als Ganzes vom Ganzen her, das ist nicht neu, unzählige vor mir und mit mir denken und fühlen wie ich, zwei möchte ich nennen, Frederik Vester und Jiddhu Krishnamuti, die ich beide verehre, Michael Ende …

tranzparenz (statt „if you cant make it fake it“) ist für mich sehr wichtig, ich heize hier erstmal ein und versuche sie langsam aber sicher mit in diesen neuen Raum jenseits von richtig und falsch zu nehmen

Regeln: aufstehen und von sich sprechen, nicht bewerten, nicht die Lebensgeschichte, 90 sec als Beitrag am liebsten von jedem und jeder hier.

Orte, an dem Menschen leben, die russisch sprechen und fühlen.
Menschen, die spüren, dass Russland mehr ist als nur „Putin“.
Menschen, die bereit sind, sowohl Frau Merkel als auch Herrn Putin differenziert zu betrachten.
Menschen, die eher „sowohl als auch“ zulassen können als sich zwischen „entweder oder“ zu entscheiden…