Auf meiner Wanderung befand ich mich (vielleicht durch die Einsamkeit, die Kälte, die wenige Nahrung und der „sibirischen“ Schwingung) „im Dialog“ mit einer Dimension, bzw. mit Dimensionen, die ich noch immer nicht richtig fassen kann. Ich konnte mit meinen Vorfahren, egal ob es mein verstorbener Vater oder ein Jahrtausende alter Urahn war, „telefonieren“ und bekam „Antworten“, „Bilder“ von denen ich glaube, dass sie nicht in meinem Kopf „geträumt“ wurden, sondern dass ich an irgendetwas „angeschlossen“ bin. Davon erzähle ich hier. Ich teile das, was ich „empfangen“ habe – nicht als „Wahrheit“, eher als Impuls für eigenes Nachdenken!

Vor noch wenigen zehntausend Jahren zogen die Menschen als Stämme, als Gruppe gemeinsam durch eine unbarmherzig erscheinende Natur. Der Einzelne konnte ohne seinen Stamm, seine Gruppe nicht lange überleben: es gab keine Krankenversicherung oder Einkaufsmöglichkeiten. Alles wurde selbst hergestellt, auch Werkzeuge und Medizin. Es gab einzig den Stamm, in dem das jeweilige Individuum unterwegs war. Das Individuum konnte diese „systemrelevante“ Zugehörigkeit nicht in Frage stellen – ein Überleben war damals auf Dauer nur in der Gruppe möglich.

Vielleicht haben sich die Menschen damals ganz anders gefühlt als wir heutigen Menschen? Vielleicht fühlten sie sich als Teil eines größeren Ganzen (des Stammes), einem WIR, das größer und wichtiger angesehen wurde als das ICH?
Vielleicht gab es kaum individuelle Betrachtung von Richtig und Falsch, es gab nur das, was gut für den Stamm, gut für das WIR war?

Ich war teilweise auf meiner Wanderung (bis auf meine Einkäufe unterwegs – jedoch ohne verbale Verständigung) bis zu zehn Tage komplett allein. Jede Zelle meines Seins schien sich nach Zugehörigkeit zu sehnen…

Mein Spüren: die Menschen fühlten sich organisch miteinander verbunden, vielleicht wie Zellen, die zusammen ein Organ bilden. Sie spürten die Bedürfnisse ihrer Stammesgenossen osmotisch (so wie Zellen durch semi-permeable Membranen Stoffwechsel miteinander haben)… Sie brauchten keine Sprache, so wie wir sie heute verwenden und damit versuchen, uns zu verständigen, sondern sie verstanden sich so wie wir es bei Fischen im Schwarm oder Vögel beim Flug vermuten. Sie konnten sich „spüren“, mit Sinnen gegenseitig wahrnehmen, die uns heute nicht (mehr) zugänglich sind.

Die Welt, die Natur, in der sich die damaligen Bewohner bewegten, war gefährlich und magisch zugleich. In der Eingebundenheit und Zugehörigkeit zur Gruppe, zum Stamm war kaum Raum für individuelle Entfaltung. Der Stamm, die Gruppe, die Gemeinschaft war immer das bestimmende Element. Auch konnte die Handlungsweise eines Stammes nicht wirklich vom Einzelnen hinterfragt werden, weil ja das eigene Überleben von der Gruppe abhing.

In der aktuellen Zeit ist das Pendel über Jahr(zehn)tausende an Entwicklung weg von der Gemeinschaft hin zum Individuum umgeschlagen. Das Individuum, der einzelne Mensch steht nun im Mittelpunkt. Von den Möglichkeiten als Individuum her ist diese Entwicklung grandios. Das darf bitte niemals unterschätzt werden!

Oft habe ich mich einsam gefühlt allein unterwegs – aber immer öfter entstand aus der Einsamkeit ein Gefühl der allumfassenden Verbundenheit. Hieraus entstand folgende Wahrnehmung:

Als Mensch bin ich vielleicht gleichzeitig eigenverantwortliches Individuum und Teil eines größeren Ganzen, Teil eines lebendigen Organismus: ein Teil zweier Beziehungspartner, ein Teil meiner Freundes-Gruppe, meines „Stammes“ (d.h. meinen „virtuellen sozialen Kontakten“), meines Chores, meiner Seilschaft im Hochgebirge, meines Tanzkreises, meines Volkes, ein Teil der Menschheit?
Diese Gleichzeitigkeit von Individuum und Gemeinschaft ist unbequem bis unbegreiflich. Ein Beispiel: Als Teil der Menschheit begegne ich dem aktuellen klimatischen Wandel natürlich anders als als komfortbedürftiges Individuum mit vielen Gewohnheiten und Überzeugungen?

Die Sozialwissenschaft behauptet, das Individuum orientiert sich schlicht und ergreifend an seinem Nachbarn, bzw. an seiner Nachbarschaft. Die lange Zeit des Umherziehens in einem Stamm mit 80-300 Menschen ist vielleicht tief in unseren Genen gespeichert bzw. hat sich vielleicht tief in unser kollektives Unbewusstes eingegraben?
Allerdings leben wir heute durch technischen Fortschritt vielleicht in einer Art „erweiterterten Nachbarschaft“, die uns vertraute Größe von 80-300 Menschen lässt sich nun auch weltweit verstreut in einer Gruppe bei facebook als virtuelle Nachbarschaft fühlen?

Ich konnte je länger ich unterwegs war, zwischen dem Gefühl, ein Individuum zu sein und GLEICHZEITIG Teil von etwas Größerem zu sein, hin und her schalten. Meine Zellen schienen mit dem Wurzelgeflecht der Taiga zu kommunizieren und ich war als eine Art Zeuge dabei…

Das Pendel zwischen der Orientierung an kollektiven und individuellen Werten schwingt unaufhörlich hin und und her – das einzig stetige ist der Wandel.
Alles befindet sich im Fluss. Nun ist der Wunsch nach einer kollektiven Identität wieder größer, es ist vielleicht schlicht menschlich, denn das Individuum möchte gleichzeitig eben auch Teil eines größeren Ganzen sein, will sich zugehörig und eingebunden (und damit sicher!) fühlen … und nicht nur frei … (und damit unsicher)?
Die Quantenphysik hat unser Weltbild in Frage gestellt, aber sie ist vielleicht noch lange nicht im Alltag unserer „normalen“ Welt angekommen? Wie gehe ich als Mensch mit der „Unschärfe“ zwischen meinem Empfinden als Individuum und gleichzeitig als Teil eines größeren Ganzen im konkret gelebten Alltag um? In der aktuellen Krise scheint die Rückbesinnung auf nationale Werte für die einen Rettung, für die anderen Gefahr?

„Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist eine nicht minder große Wahrheit“ (auf Seite 52 in meinem ersten Buch „Tödliche Freiheit“ erzählt er mir von den Gegenteilindiandern) war das lakonische Mantra meines Meisters, der am Ende keiner war. Und vor dem ich mich heute innerlich dankbar verneige. Wie passt das alles zusammen?
Meine Frage lautet: Kann die Gleichzeitigkeit (hier zwischen Individuum und Kollektiv) als die quantenphysikalische Betrachtung des Menschseins gelten? Und wie sähe das im Alltag aus? Welche Form von Kommunikation würde sich entwickeln?

Ich hatte rein äußerlich wenig zu tun, es war so kalt, dass ich mich immer bewegen musste und in der langsamen Bewegung des Wanderns öffneten sich mir Bewusstseinszustände, die ich durch Meditation noch nicht erreicht hatte.

Warum lernt die aktuelle Schülergeneration noch immer dieselbe Newton´sche Physik, die schon mein Großvater gelernt hat? Warum kommen die Erkenntnisse der Quantenphysik nicht in den Schulen, im Mainstream an?
MATERIE HAT GEISTIGEN URSPRUNG (Max Planck), d.h. Materie und Schwingung sind die beiden unterschiedlichen Seiten derselben Medaille?

Und warum beschränkt sich unsere Betrachtung aktuell auf die Materie oder die Schwingung? Viele spirituelle Menschen wissen, „alles ist mit allem verbunden, alles ist Schwingung“ und doch bleibt gleichzeitig die Betrachtung von der materiellen Seite ebenso wahr …

Ich fing an, den „richtigen“ Weg in mir zu spüren, ich begann Kontakt zu meinen Ahnen zu spüren. Damals gab es keine Karten oder Kompass oder gar GPS, aber vielleicht eine Art „kollektives Gedächtnis“? An dieses „kollektive Wege-Gedächtnis“ schien ich mich anschließen zu können … und überprüfte nur noch hin und wieder mit Karte und Kompass meinen jeweiligen Standort. Ich orientierte mich „aus dem Bauch heraus“.

Aus dem östlichen Kulturkreis schwappt aktuell „ganz neu“ die Idee des „Waldbadens“ zu uns. Dabei wusste schon Platon, dass einfache Bewegung (Wandern?) draußen mit gleichzeitiger Betrachtung der Natur Informationsprozesse auslöst. Er beschrieb die Natur als einen „Brief Gottes an die Menschen“. In der heutigen Zeit geht die Menschheit etwas ruppig mit diesem „Schriftstück“ um…?
Gedanken, Betrachtung, Bewusstsein – alles ist verbunden UND schafft Verbindung! Die Quantenphysik wird auch die „Physik der Beziehungen“ genannt… – wenn auch ein „quantenverschränkter“ Kosmos etwas Bedrohliches für mich hat …

Dann tauchte eine völlig neue Form der Kommunikation in mir auf: Menschen besuchten mich „im Geiste“. Ich konnte mit ihnen „sprechen“ und sowohl ihre Fragen als auch ihre Antworten schienen nicht aus mir zu kommen, sondern von woanders her. Es war kein „sich in jemanden hineinfühlen“, sondern eine teilweise völlig offene Kommunikation mit überraschenden Wendungen.

Ist eine Kommunikation (darum geht es ja vor allem in gelingenden Beziehungen) jenseits von richtig und falsch, jenseits von Recht haben wollen und Überzeugung meines Gegenübers in der heutigen Welt möglich? Durch unsere weit entwickelte menschliche Sprache sind einerseits differenzierte Betrachtungen möglich – doch ohne das Spüren, was kommt beim Gegenüber an Information an, können Missverständnisse entstehen. Wie könnte eine Sprache beschaffen sein, in der sich Menschen gleichzeitig ausdrücken UND spüren?

Ist die Trennung zwischen Dir und mir gleichzeitig Realität und Illusion?
Ist auch hier die Gleichzeitigkeit zwischen dem Genuss, recht zu haben und der Möglichkeit des inneren Wachstum möglich?
Einerseits bezieht der Mensch vielleicht lebenswichtige Anerkennung aus dem Gefühl „recht zu haben“ und andererseits ist es gleichzeitig lebenswichtige menschliche Weiterentwicklung zu lernen, jenseits von richtig und falsch zu kommunizieren?
Ist es möglich, dass ein Mensch seine Überzeugung beobachten kann? Das er sie gleichzeitig „haben“ und in Frage stellen kann? Dass ein Mensch Recht haben und Falsch liegen kann – zugleich?

  • Eines Tages kommt ein Mann zum Rabbi. Er hat Streit mit seinem Nachbarn. Wortreich erzählt er sein Anliegen und der Rabbi gibt ihm recht.
    Da taucht ebenjener Nachbar auf und schildert die Dinge aus seiner Sicht.
    Der Rabbi blickt etwas besorgt und gibt dem Nachbarn auch recht.
    Das bekommt ein Händler mit und beschwert sich nun beim Rabbi, wie es dann sein könne, dass er zwei entgegen gesetzten Meinungen jeweils recht gibt.
    Da beginnt der Rabbi zu lächeln: „Mein Sohn, da hast auch Du recht…“