Geschenk aus Sibirien – der Botschaft der Angara

Was mir mitten Sibirien am Fluss Angara passiert ist, das habe ich bisher nur angedeutet … jetzt habe ich fast drei Monate „hingefühlt“ – jetzt berichte ich einfach mal.

   vorgestern abend in Vecslabada

Ich beschloss Ende April zu bleiben, bis die Angara auftaut und sich aus seinem winterlichen Gefängnis befreit. Nach einer Woche kam das Eis in Bewegung. Die Schollen schwammen mal träge, mal flugs den Fluss hinab und in den schon befreiten Jenissei hinein.
Wie wenn auch in mir selbst etwas schmolz, etwas Festgefrorenes wieder ins Fließen kommt, sich auch mein Panzer öffnet – so schien es mir beim tagelangen Auf- und Abwandern am Wasser.

   vorgestern abend in Vecslabada

„Ich bin ein Fluss“, meinte die Tochter des Baikals eines Nachts, „und Du ein Mensch.
Warum bist Du nicht bei deinesgleichen?
Du bist kein wandernder Einsiedler, Du übertreibst.
Wanja ist auch nicht durch ganz Russland gewandert. Such Dir ein neues Zuhause in Deutschland und komm jedes Jahr wieder zum Wandern nach Russland.
Du hast Dich auf Deinen Weg gemacht, Du beginnst Deinen Weg in Dir zu fühlen. Du spürst Dich selbst wieder. Mach was draus.“

Mein Traum vom Wanja hatte mich zu neuen (alten) Zielen geführt: Gute Ideen, die lange Zeit in mir vergessen und „tiefgefroren“ waren, tauten wieder auf und stellten mir viele Fragen. Sie verunsicherten mich und machten mich glücklich zugleich.
In einem lichten Moment konnte ich beobachten, wie meine Ideen immens wuchsen. So vieles wollte ich verwirklichen! Mein Lebensmuster wurde für mich selbst greifbar: in bester Absicht mein eigenes Scheitern vorbereiten, indem ich alles auf einmal und zu groß plane…

Sei kein Held, sei Du! Geh weiter langsam deinen eigenen Weg.
Lass Dir Raum und Zeit für deine schwachen Zeiten, die Du – wandernd und russisch lernend – jetzt neu gestalten kannst!
Immer wieder will ich Besonderes leisten, weil ich mich schuldig fühle, dass ich nicht so ausgeglichen bin wie die meisten Menschen. Dabei bin ich extra so geschafften worden!

das ist sie, die EU-Aussengrenze zwischen Lettland und Russland

Es zieht mich aufs Land, nach Süd-Thüringen in die Mitte Deutschlands, wo vor 30 Jahren noch alle Russisch konnten. Dorthin wollte ich schon 2016 umziehen (Plan wurde „eingefroren“) …
Von dort aus bin ich schnell in Augsburg, aber weit genug weg, nicht in mein altes Leben „zurückzurutschen“, sondern um das, was ich neu aus Sibirien mitbringe, in meinen Alltag zu integrieren.
In Südthüringen (nahe der Bahnlinie Saalfeld – Lichtenfels) suche ich einen kleinen Bauernhof oder etwas ähnliches. Wenn jemand was weiss oder jemand kennt, der was wissen könnte, bin ich für einen Tipp dankbar!

   letzter Abend in Moskau

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