Aktuell haben die meisten Menschen ein Bild von sich selbst, das oft gar nicht stimmt. Sie spielen eine Rolle. Dabei orientieren sie sich an anderen Menschen, anstatt tief in sich selbst hinein zu lauschen, wer sie wohl wirklich sind.

Jeder Mensch hat Verletzungen erlitten und Schutzmechanismen (Muster) entwickelt, damit es nicht zu weiteren Verletzungen führt. Irgendwann gehören diese Muster so selbstverständlich zu diesem Menschen dazu, dass er glaubt, er sei so. Das müsse so sein. Diese Muster sitzen kollektiv und individuell sehr tief. Es ist schmerzhaft, sie als „Lebensenergie-Räuber“ dingfest zu machen, d.h. sich ihrer bewusst zu werden. Und dann ist dieser Mensch sie noch lange nicht los, sondern beginnt erst, sich dem Schmerz (und auch Angst), der chronisch in ihm wohnt, schmerzhaft zu stellen. Und da alle anderen Mitmenschen auch Gefangene ihrer selbst entwickelten Muster sind, richten sich die meisten Menschen doch lieber mit ihren Mustern in ihrem kleinen Gefängnis halt so bequem wie möglich ein und vermeiden den Schmerz.

So entsteht ein Irr-Bild, ein Trugbild, das diesen Menschen verschließt vor dem GEIST, der die Menschen sucht und braucht – als Gefäß. Wie einem großen Organismus jede Zelle ihre Aufgabe hat, so ist jeder Mensch wie ein Gefäß für den GEIST –  das natürlich AUCH rational entscheidet, große Geschichten liebt, Magie und Naturverbundenheit mag.

Selbstbetrug stärkt natürlicherweise das Ich (EGO), auch wenn das Gegenteil behauptet oder teilweise sogar ehrlich empfunden wird. Nicht alles was gut tut, heilt Verletzungen – sondern dient als süchtig machendes „Pflaster“, um den tief innewohnenden Schmerz nicht spüren zu müssen.

Öffnung für den GEIST entsteht in dem Moment, in dem ein Mensch sich selbst akzeptiert, so wie er ist. Dabei ist es nicht verkehrt, die Bewertung, die dabei vielleicht entsteht, wahrzunehmen. Aktuell wollen ja viele spirituelle Menschen „bewertungsfrei“ leben – ich glaube nicht, das das möglich ist. Vielleicht kann mensch diese Bewertung, die immer da ist (der Verstand kann nichts anderes als zu bewerten), „überkleben“, aus der Wahrnehmung ausgeblendet werden, verdrängt werden.

Dann tut ein Mensch so, als würde er „über allem stehen“ und ganz glücklich leben. In diesem Mensch läuft die Bewertung dann unbewusst ab, das Überkleben (diese schauspielerische Leistung sowohl vor dem Menschen selbst als auch vor den anderen) kostet viel Energie und macht in der Tiefe unglücklich, d.h. es muss noch mehr Energie für das Schauspiel aufgebracht werden – ein Teufelskreis…
Irgendwann schreit dann diese Seele dieses Schauspielers so laut nach Freiheit und Selbstverwirklichung, dass der Körper oder die Psyche erkrankt. Das ist der Moment, die gewohnten Bequemlichkeiten zu hinterfragen und anzufangen, der eigenen Seele zu lauschen.

Wirklich offen und durchströmt vom GEIST ist ein Mensch, der sich selbst verwirklicht. Der den Ton seines Lebens kennt und danach strebt, diesen Klang, diesen Ton zu spielen. Oder einfacher, der tut, was er will. Das ist nicht so einfach wie es klingt.

In „Halbzeit der Evolution“ beschreibt Ken Wilber den Unterschied zwischen prä-personaler Spiritualität und trans-personaler Spiritualität.

Prä-personale Spiritualität ist ein Rückschritt, ein Schutzmechanismus, der jedoch als leicht und angenehm empfunden wird. Prä-Personale Spiritualität ist unkritisch (der Verstand wird ausgeschaltet statt transzendiert) und gefühlsbetont (sie muss ich gut anfühlen – doch halt: nicht alles was sich gut anfühlt hat auch Seelen-Qualität…).
Es geht letztendlich um eine Art planbare Ekstase (ein Wohlfühlen), die ich als „Mutterbauch-Phantasie“ bezeichne. Es geht um eine „heile Welt“ – alles wird gut … alles soll schön, harmonisch und stimmig sein…
Mutterbauch jedoch hatte der erwachsene Mensch schon. Spiritualität, die sich darauf beschränkt und den tiefen Schmerz ausschließt, der dem rationalen Menschen innewohnt, bleibt eine Art Regression.
Konflikte werden vermieden oder verniedlicht, aber nicht ausgetragen.
Muster werden nicht hinterfragt, sondern müssen möglichst genau zu den Mustern der Mitmenschen „passen“ – damit es möglichst wenig Konflikte gibt.
Und wenn doch, hilft vielleicht ein bisschen Anstrich mit „Glücks-Paste“?

Trans-personale Spiritualität schließt den Verstand mit ein, sie ist rational erklärbar, sie beobachtet, diese Beobachtung ist Teil dieser Spiritualität. Quasi immer ein winziges Stück Zweifel im Glück, ist es real? Oder ist es Selbstbetrug? Wie beim Zeichen von Yin&Yang ist die Ratio, der Verstand nicht vollkommen ausgeblendet, sondern darf als winziger (wunder) Punkt weiter beobachten (und bewerten). Diese Bewertung wird liebevoll umfasst, darf sein und wird manchmal leiser. Der transpersonal spirituelle Mensch kann sein mit dem was ist. Egal was es ist.
Transpersonal ausgerichtete Menschen in Gemeinschaften sind offen für Konflikte, denn sie lernen gerne dazu. Sie stellen sich dem Schmerz. Bringen die verborgenen Muster ans Tageslicht und können dann alte Verletzungen neu betrachten, anders abspeichern und vielleicht sogar heilen und auflösen.

Helfen kann hier die Gelassenheit:
Ich bitte um die Gelassen, die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann und um den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und um die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Im Umgang mit Konflikten ist transpersonale Spiritualität kreativ, sie versucht, mit den Konflikten zu „tanzen“: hurra, wir haben einen Konflikt, lass uns feiern, wir werden etwas lernen! Wir werden diesen Konflikt lösen und dann etwas in uns selbst geheilt haben und von unserem Gegenüber etwas dazugelernt haben!
Wie sind konfrontierbar, wir sind Prozess-fähig – weil wir uns selbst achten und aus dieser Selbstachtung heraus entsteht die Bereitschaft der Liebe, dazubleiben, auch wenn es schwierig wird. Hierfür gibt es noch zu wenig „Werkzeuge“ und eine latente Angst, Konflikte könnten zu Beziehungsabbruch führen.

Glück

Für mich ist Glück das Bewusstsein zu wachsen und schließt den Schmerz mit ein! D.h. solange ich das Bewusstsein habe, dass ich wachse, bin ich zu tiefstem Schmerz bereit und kann auch in diesem Schmerz glücklich sein (ein bisschen paradox…).
Glück hängt von den Erwartungen ab, nicht von den objektiven Lebensbedingungen! Ein Mensch kann im Rolls-Royce in seine Villa mit Park gefahren werden – und trotzdem total unglücklich im Fond sitzen und sich als richtig schlimm dran fühlen. Statt Zufriedenheit wollen die Gene (ganz tiefe Gewohnheiten) der Menschen immer mehr – können kollektiv keine Zufriedenheit leben.
Das Ich, der rationale Verstand, glaubt ein Anrecht auf Glück zu haben, weil es/er ja sooo wie Angst aushält. Gegen die Angst ein Stück vom Glück?
Die Selbstachtung (Stufe 5) kann „sein, mit dem was ist“ und stellt sich dem damit verbundenen Schmerz. Stufe 5 – Menschen können „in den Schmerz hineingehen“ und dadurch mit ihm sein und ihn Schritt für Schritt auflösen.

Sicherheit

  • Bleiben Sie zu Hause – das Leben ist sooo gefährlich, es ist kalt, es ist Sturm
  • Machen Sie es sich bequem – wir retten sie gern
  • seien Sie einfach glücklich – es wird alles gut, Mammi macht das schon
  • und Probleme und Schmerz lachen wir einfach gemeinsam weg!

Seit der Aufklärung (Beginn von Stufe 4) sind die Gefühle der Menschen die Hauptquelle von Autorität. Darauf fußen Demokratie und Kapitalismus…
Gefühle allerdings werden von den aktuellen Neurowissenschaften als Ganz-Körper-Algorithmen gesehen: die sind letztendlich Lebensglück-Optimierungs-Kalkulationen. Gefühle sind nichts heiliges, sind seit 200-300 Jahren „groß in Mode“. Dimmt man wissenschaftlich Gefühle auf die Ebene von Kalkulationen herunter, sind menschliche Gefühle nichts anderes als Algorithmen – und das können Maschinen definitiv besser als Menschen?!
Doch Vorsicht – gut 200 Jahre lang war es eine naheliegende Analogie, dass Menschen sich mit Maschinen verglichen, nun sind den Menschen die Computer so nahe gerückt, sind so unverzichtbar geworden, dass die aktuell westlich orientierten Menschen sich eben mit Computern identifizieren?

Einrasten … und „Ausrasten“

Die meisten Menschen der westlichen Welt empfinde ich als „eingerastet“. Sie haben ihre Existenz, ihren Job, ihre Partnerschaft, ihr Trauma, ihre Konsumgewohnheiten, ihre Urlaubsvorlieben, etc. In meinen Augen hat das alles nicht mit ihnen selbst zu tun. Diese Menschen pflegen ihre Hobbies, ihre Karriere, hätscheln ihre Traumata und sind letztendlich gefangen in sich selbst.

Nicht damit ich falsch verstanden werde, so habe ich 52 Jahre lang auch gelebt, bloss dass ich mir mehr und mehr bewusst wurde, dass da grundlegend was nicht stimmt… ich fand nur keinen Ausweg. Ich hatte 1001 Ideen, nichts war wirklich stimmig, es schien nur ein bisschen an der Verankerung zu ruckeln, es war keine wirkliche Veränderung… (dann kam Sibirien 3 – eine eigene Geschichte, ich bin noch nicht so weit, darüber zu berichten, was genau da passiert ist)

Es gibt meines Erachtens ziemlich viel „Ruckeln“ am „eingerastet sein“ – aber kaum wirkliches aus-rasten. Ist ja auch nicht ganz ungefährlich… wirklich nicht, es ist ein ausrasten. Ausrasten halt, in unserer Kultur droht die Zwangseinweisung in die Psychiatrie und dort wird einem geholfen, wieder einzurasten.