Herzlich willkommen auf www.spirit-trekking.de

Dies ist ein „Nebeneingang“ zu meinem Blog. Ich möchte hier mehr über die „schamanische“ (göttliche) Energie erzählen, die ich in Sibirien am Fluss Angara empfangen habe.

Hinter den Bildern in der Zusammenfassung Die Botschaft der Angara sind Links zu folgenden weiteren Seiten „versteckt“:

Der Begriff „spirit-trekking“ entstand gegen Ende meiner „spirituellen Ausbildung“ Anfang 1996 (siehe Kapitel Sechs, im PDF auf S. 165 – die anderen Kapitel finden sich rechts unten in der Menüleiste).
Damals hatte ich schon dieselben Bilder vom Wandern im Winter… – nur Russland war noch im Unterbewussten vergraben…

Und dieses GESPRÄCH MIT DOMINIK gibt es nur hier:

Ich habe einen guten Freund, den ich vermisse. Er heißt Dominik und ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. Leider wurde seine Mail gehackt, unter seiner Handy-Nummer erreiche ich nur eine Ansage „Nummer nicht vergeben“ und ich weiß nicht, wo er sich aktuell aufhält. Wir haben keine gemeinsamen Freunde, die ich nach ihm fragen könnte…

Dominik, diesen Text hier auf meinem Blog widme ich Dir.
Weißt Du noch, wie wir in Concarneau am Strand saßen oder vor dem gelben Haus auf der roten Bank?
Ich stell mir oft vor, wie es wäre, wenn wir uns wieder treffen und Du mir bestimmt viele neugierige, kritische und herausfordernde Fragen stellst?

Aus dieser Sehnsucht entstand der folgende Text.
Die kursiven Fragen stellst du, Dominik!

Und warum ausgerechnet nach Russland?

Die Frage stellen mir alle. Als Kind liebte ich „Die Abenteuer des starken Wanja“ von Ottfried Preußler, von dem sind auch das „kleine Gespenst“ und die „kleine Hexe“ und der „kleine Wassermann“ und „Krabat“. Der Wanja verbrachte sieben Jahre auf dem Kachelofen, sprach in dieser Zeit kein Wort und aß sieben Säcke voll Sonnenblumenkerne.
Dann wanderte er quer durch Russland und wurde Zar. Er war so stark, dass er alle Abenteuer bestand und am Ende inneren Frieden und eine faszinierende Frau fand.

Ahhh, Du willst herrschen? Hey, Zar – wie geil!

Hmh, am ehesten mich selbst beherrschen! Vielleicht auch, um endlich einer wirklich erfüllenden Beziehung mit einer tollen Frau nicht mehr länger im Wege zu stehen 🙂 Der Zar bedeutet für mich für inneren Frieden finden …
Für mich stand im Mittelpunkt das Wandern durch Russland, durch die lichten Birkenwälder. Dieses innere Bild, zu Fuss durch unberührte Natur und unendliche Weite wandern, das trage ich in mir, seit ich eigenständig denken kann.

Und warum gerade jetzt?

Falls mal alle Stricke reißen sollten, so dass quasi gar nichts mehr geht, war dieser russische Wander-Traum eine Art Rettungsring für mich, so wenn keiner mehr etwas von mir will oder braucht, dann Rucksack auf und los.
Ohne meinen Vater, ohne Job und ohne Beziehung hielt mich so gut wie nichts mehr in Augsburg.
Weißt Du noch, wie Du mich in Concarneau im Restaurant besucht hast?
Dort brach auch schon mal alles zusammen, so mein Gefühl und damals wollte ich nur mit einem Rucksack von der Bretagne aus quer durch Frankreich „heim“ nach Augsburg laufen, weil ich spürte, dass in Augsburg noch ein paar Hausaufgaben auf mich warten, die nur dort erledigt werden können. Doch ich kam nur bis kurz vor Rennes, schon nach einigen Tagen hielt ich das Allein Sein nicht mehr aus.
Inzwischen habe ich das mit dem Alleinsein schon zwei Mal getestet, jeweils drei Wochen wandern allein, einmal auf Gomera und einmal an der bretonischen Küste. Bei beiden Malen wollte ich nach immerhin drei Wochen noch lange nicht heim…

Aber wegen einem Kinderbuch nach Russland?

Mein Gefühl ist, dass nicht ich Russland ausgesucht habe, sondern dass mich da was ruft, dass Russland eher mich ausgesucht hat? Dieser Traum vom starken Wanja kam nach dem Tod meines Vaters so fordernd, fast wie ein innerer Auftrag. Ich machte dann ein paar Probewanderungen, schraubte meine Reichweite auf 70km in 24h hoch – aber so richtig ernst wurde es erst, als ich eine Alpenüberquerung machte.
Im Juli 2018 überquerte ich die Alpen vom Schweizer Süden bis Peißenberg in Deutschland. Ich hatte einige Tage Dauerregen und heftigste Gewitter – ich fühlte mich gewarnt und herausgefordert. Ich spürte, da geht es lang. Dort fühlte ich mich in der Natur zutiefst verbunden und gleichzeitig vollkommen frei.

Und Du hast nie gezweifelt?

In den Alpen verstand ich: es ist vollkommen egal, nicht zu wissen, was nach Russland kommen wird. Beim Erreichen einer Scharte eröffnet sich eine neue Aussicht und so ergibt sich aus jedem Schritt der nächste.

Hach, wie poetisch. Und dann?

Ich begann Russisch zu lernen. Gleichzeitig las ich alles über Weitwanderer und Ausrüstung im Netz, ich wollte nicht mehr als 5 kg Gepäck ohne Wasser und Essen mitnehmen und fing an mich bezüglich Visum zu informieren.
Alles was irgendwie mit Russland zu tun hatte, zog mich an und so lernte ich über einen Augsburger Musikveranstalter-Verein, der auch Bands aus Russland nach Augsburg bringt, eine russische Studentin kennen. Sie wollte Deutsch, ich russisch lernen, so verbrachten wir – bis sie nach Berlin weiter zog – fast jeden Tag ein paar Stunden im Cafe und wurden ein Sprachtandem, brachten uns gegenseitig unsere Muttersprache bei.
Nebenbei halfen wir uns gegenseitig bei administrativen Herausforderungen… sie begleitete mich zum russischen Konsulat nach München. Ohne sie wäre ich nie am Security-Mitarbeiter vorbeigekommen. Sie hatte sich voll in Schale geworfen und so sprach der Vizekonsul mit ihr fast eine halbe Stunde über mein Anliegen, sah aber leider keinerlei Möglichkeit, Russland a la Wanja zu durchqueren… die russichen Einreisebestimmungen harmonierten nicht mit meiner geplanten Wanderung… Visa-rechtlich war es nicht vorgesehen, Russland einfach so zu Fuß zu durchqueren…
Also fuhr ich nach Litauen, wanderte dort los und ließ es darauf ankommen!

So mein Lieber, erst mal genug erzählt, ich fang jetzt einfach mal mit dem gemeinsamen Philosophieren an, wie früher, bleibst du noch ein bisschen neben mir auf der roten Bank?

Aber ja doch mein Lieber, für dich immer, das solltest du doch wissen … Er lacht sein sympathisches und doch ganz leicht hysterisches Lachen, das so ziemlich alles heißen kann

Ok, dann lass uns über menschliche Gemeinschaft, über Hierarchie, Solidarität und Macht sprechen

Du weißt genau, dass ich von Gemeinschaft jedweder Art überhaupt nichts halte.
Solange der Mensch nicht einmal weiß, wer er selbst ist, was Geist ist – solange funktioniert Gemeinschaft schlicht und ergreifend via Machtergreifung.
Wie Krieg, manchmal grün angemalter Krieg mit Wiesenblümchen um die Sprechblasen … gut getarnte sogenannte „gewaltfreie Kolonisation“, harmonischer Einmarsch ins Gegenüber

Ok, langsam, Kommunikation … grundlegend bedeutet das für mich den Austausch von Informationen zwischen zwei Systemen und …

Ja-a, Schatz, ich weiß, dass du studiert hast und ich nicht… unterbricht mich einfach

Du willst mir in diesem Moment ein Beispiel für manipulative Kommunikation geben, die neben der Sachebene über die Subtexte appellative, emotionale und selbstoffenbarende Botschaften sendet?

Schau, schon Deine scheiß geschwurbelte Art dich „richtig“ auszudrücken empfinde ich als Angriff. Du verwendest Worte, die ich nicht verwende und damit stellst Du Dich über mich.
Das soll kein Vorwurf sein, das mache ich jedes Mal, wenn ich den Mund aufmache – aber ich habe auch nicht so eine scheiß gute Sicht auf zwischenmenschliche Belange.
Ich fresse oder werde gefressen, das ist alles.

Und was machen wir beide gerade?

Wir machen uns gegenseitig Appetit lacht

Weil wir Freunde sind, so eine Art neutrale Zone?

Scheiße, nein, im Gegenteil, wir haben Spaß daran, uns anzugreifen, wir sind nützlich füreinander, ich bin einsam und ich weiß das, also genieße ich den Moment, in dem ich mir mit Dir vorgaukeln kann, ich wäre nicht allein und Du benutzt mich, weil Du Spaß am Hirn eines durchgeknallten ehemaligen Weinverkäufers hast
in der Tat halte ich Dominik für einen genialen Geschichtenerzähler und mich interessiert immer, wie er die Welt sieht …

Es erweitert meinen Horizont, wenn wir reden …

Genau, du sagst es, du lernst, letztendlich um mehr Macht auszuüben.

Nein, durch Dich kann ich mich selbst besser sehen, mich selbst besser verstehen, Du bist wie eine Art Spiegel für mich

Und warum tust Du das? Damit Du durch den Zugewinn an Wissen ein besseres Weibchen abgreifen kannst, ein schöneres Haus besitzt oder von mehr Menschen bewundert wirst?
Oder halt, Du kannst Dich vielleicht selbst nicht ausstehen und indem Du Dich von mir herausfordern und beschimpfen lässt, kannst Du Deinen Selbsthass kurzzeitig vergessen?

Du unterstellst mir rein egoistische Ziele?

Ich weiß, dass jeder sich selbst der nächste ist. Um es mit Dostojewski zu sagen, es geht schlicht „um die moralische Krise des modernen Menschen, der in einer Welt der verlorenen Wahrheiten lebt und zwanghaft nach einem Weg aus dem religiösen, gesellschaftlichen und ethischen Bankrott sucht“.
Wir sind verloren in einer Welt, die wir nicht verstehen und versuchen alles, so zu tun, als wäre es anders.

Hey, können wir bitte das „zwanghaft“ streichen und dann haben wir eine gemeinsame Ausgangsbasis?

Du schaffst es nicht einmal, ein Zitat eines Menschen, der klüger ist als du, unverändert stehen zu lassen.

Touché.

Dann schwiegen wir eine Weile und mir war, als würden wir uns so besser als mit Worten verstehen. Ich dachte ein bisschen nach…
Sprache verschafft dem Menschen die Überlegenheit über die Tiere. Der Mensch ist kein besonders starkes Tier, aber durch Sprache kann sich eine Gruppe von Menschen verständigen, (Jagd-) Ideen gemeinsam ausbrüten und umsetzen.
Menschen können durch Sprache Vereinbarungen für die Zukunft treffen … und Geschichten erzählen. Oft erzählte Geschichten bringen Glauben hervor und der versetzt bekanntlich Berge…

Tiere, Pflanzen, Steine, Planeten, Sonnensysteme und die noch größeren Organismen, von denen die Menschheit noch gar nichts weiß … die müssen eine eigene Sprache haben, eine ohne Worte? Eine, die wir Menschen (noch) nicht verstehen?

Hmh, Dominik, grad haben wir lange geschwiegen, und ich hatte dabei das Gefühl, in diesem zugewandten Schweigen lässt Du mich näher an dich heran als vorher, als wir miteinander sprachen.
Wie hast du das empfunden?

Das mag sein, aber spätestens jetzt, wo du es aussprichst, beschmutzt du es…
warum musst Du jeden Zauber zwischen uns Dir verbal bestätigen lassen? Traust Du dir selbst nicht und brauchst im Nachhinein meine Erlaubnis?

2:0 für Dich. Aber wie stellst Du Dir zwischenmenschliche Gemeinschaft ohne Worte vor?

Vielleicht fängt sie erst jenseits der Worte an. Kennst Du die Geschichte von der Stammeszusammenkunft der Indianerhäuptlinge?
Die Frau des Oberhäuptlings fragte verwundert, warum Ihr Mann so früh von der Versammlung wieder daheim war. Er meinte, dass sie wie immer mit demjenigen Anliegen beginnen wollten, das am Wichtigsten war. Wer etwas vorzubringen habe, solle sprechen. Und nach 45 min Stille beschlossen sie auseinanderzugehen, da alles in Ordnung ist.
Kurz: ich glaube nicht an Worte, ich weiß, Du willst immer Bücher schreiben, aber schreib doch mal eins ohne Worte, mein kleiner Zen-Prinz!

Ohne Worte?
In mir stiegen Bilder von dezentralen subsidiären (wo kommen solche Worte eigentlich her, warum so kompliziert, um andere zu beeindrucken, würde Dominik vielleicht sagen) vom einfachen Leben im Garten Eden hoch…
Doch wofür stand der Baum der Erkenntnis? 
Gut und Böse als Bild für Dich und mich? Der Anbeginn der Trennung, die Entdeckung des ICHs, hinauskatapultiert aus dem WIR?
In Marlow Morgans „Traumfänger“ konnten die „echten“ Menschen sowohl von nah als auch von fern über weite Distanzen hinweg „im Kopf“ miteinander kommunizieren. War das anstrebenswert, dass mir mein Gegenüber in den Kopf gucken kann? Irgendwo las ich mal, dass die „Lüge“ eine wichtige kulturelle Entwicklung darstellt, aber werden uns nicht auch Atomwaffen als wichtige kulturelle Entwicklung verkauft?
Entwickeln wir uns überhaupt im Moment als Menschheit oder erleben wir grad eine kleine evolutionäre „Delle“, haben uns viel zu stark ausgebreitet oder ist diese Ausbreitung gerade der Beweis evolutionärer Stärke?

Vielleicht gibt es doch so etwas wie Freundschaft, aber wenn, dann ohne Worte, darum liebe ich Pantomime. Worte sind wie Wolfszähne, sie verwunden, ob gewollt oder nicht.

Dominik, ich vermisse Dich. Immerhin kann ich Dich spüren und achte dabei Deine Grenzen.
In einem Buch beim Aufräumen habe ich eine Notiz von Dir gefunden: ich hoffe, wir sehen uns im Himmel, was das auch sein mag!
Heute bin ich mit einem ganz realistischen Traum aufgewacht, eine menschliche weltweite Gesellschaftsform vielleicht in der Zukunft: uralte Traditionen in Verbindung mit Quantenphysik und -technologie. Erdverbundene Ökologie, bewusste Geburtenkontrolle, lakonische Erziehung (vgl. Sparta) … und in 100 Jahren ist die Welt ein ganzheitliches und solidarisches Paradies mit kämpferischem Spiel und traditionellem Tanz: eine subsidiare Welt nachhaltiger und vernetzter Regionen.

Und in Deinem Traum haben alle Chinesisch gesprochen?

Ein Schelm … der jetzt meinen persönlichen Traum einer weder rechten noch linken sondern „gleichzeitigen“ (sowohl als auch) Gesellschaft zerpflücken darf. Rechts steht für individuelle Freiheit, Akzeptanz von Ungleichheit und nationale Autorität; Links für kollektive Solidarität, soziale Gleichheit und internationale Gerechtigkeit. Rechts dürfen oder sollen die Menschen was glauben, links nicht. Wer profitiert von dieser vormals nützlichen, aber aktuell längst überholten Einteilung?

Das Sandmännchen?

Freut mich, dass Du auch gute Laune hast. National und sozial – doppelte Vorsicht – das hatten wir schon mal. Und genau deshalb hängen wir Deutschen ganz besonders an der Mitte, anstatt komplett neu zu denken.

Dein Vorspann zieht sich.

Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist eine nicht minder große Wahrheit: wir sind gleichzeitig Individuen UND Teile eines größeren Ganzen, das wir nicht verstehen.

Daniel schwieg lange. Dann lächelte er mich an.
Sie werden Dich hassen. Und ich liebe Dich. Und jetzt überlegst Du bestimmt noch eine Ewigkeit, wie Du das „pädagogisch“ (verzieht das Gesicht) aufbereiten kannst.

Ja, das stimmt, ich sehe aktuell aber keine Möglichkeit, den Menschen von seinem selbst erschaffenen Thron zu stoßen…

Erzähl den Menschen ruhig, was Du erlebt hast. Vielleicht wird das sogar ein Bestseller, warum nicht? Schwarze Schwäne sind gefragt.
Aber am Ende des Tages wird Deine Geschichte für irgendeine Gruppe einen Mehrwert haben. Du wirst Anhänger haben, die werden Dir nachfolgen wollen.
Kannst Du Dich diesem Genuss entziehen? Wohl kaum, mein kleiner Narzisst!

Ersten können Menschen sich verändern und zweitens, was glaubst Du, warum Du hier mit von der Partie bist? Wenn ich dann noch jemand finde, um mir die Verwaltung zu machen… Wenn ich die Einnahmen vom Buchverkauf komplett an Menschen in Russland mit unter hundert Euro Rente spende? Wenn ich öffentliche Auftritte verweigere, im Netz nicht präsent bin? Wenn ich einfach weiter wandere, bis ich meinen Platz gefunden habe?

Niemals. Du wirst von den hungrigen Weibchen, die alle an Deiner Energie nuckeln wollen, nicht lassen können.

Wie gerade gesagt, Menschen können sich verändern.

Einen Scheiß können sie. Seit Jahrtausenden spielen wir hier Feudalismus mit menschlichen Göttern, super-reichen Händlern und einem schwankenden Anteil von Sklaven. Nichts, aber auch gar nichts hat sich geändert und wird sich auch nicht ändern.

Ich bin neugierig, ich habe Zeit und vor allem habe ich nichts zu verlieren.
Ich lasse immer mehr los.

Du hörst auf zu „wollen“?

Stand heute (Ostermontag 2020) wache ich seit exakt einem Monat jeden Morgen auf und habe gefühlt Geburtstag … einfach, weil ich ein Kind Gottes bin. Ich fühle mich geführt.

Du meinst, von dort wo die chinesische Seele ihre Kraft tankt?
Um dann den „ganzheitlichen“ Kapitalismus gegen „freien“ Kapitalismus antreten zu lassen?

Das musst Du mir ein ander Mal näher erklären!
Und am allerliebsten persönlich!!!

Überraschung, ich hab noch was, erzähl mir, wie du auf spirit-trekking gekommen bist?

Inspiriert hierzu hat mich – wie gesagt – das Kinderbuch „Die Abenteuer des starken Wanjas“ von Ottfried Preußler. Der Traum vom starken Wanja rief mich: ein Faulpelz und Nichtsnutz verbringt sieben Jahre auf der Ofenbank, wandert dann durch Russland und am Ende geht die Sache verdammt gut für alle Beteiligten aus.
spirit-trekking fühlt sich für mich sehr alt an. Zu allen Zeiten haben sich Menschen auf den Weg gemacht, um ihre Träume zu verwirklichen oder wenn die Lebenssituation um sie herum wirklich nicht mehr zufriedenstellend war.
Millionen von Menschen vor mir haben sich aufmacht (neudeutsch „ihre Komfortzone verlassen“) und sind in neue Welten aufgebrochen. Und als die Menschheit noch nicht in dem Maße sesshaft war wie heute, war das das Normalste von der Welt. Wenn Jahreszeit oder Lebensbedingungen in einer Region der Lebenssituation der Menschen nicht mehr zuträglich waren, zogen sie einfach weiter.

ok, und jetzt bist du aber wieder da, bist du jetzt kein spirit-trekker mehr?

Ich versuche, hier in Augsburg möglichst „russisch“ zu leben. Ich fühle mich weiterhin „auf meinem Weg“, fühle mich geführt – wie letztes Jahr in Russland. Deswegen will ich ja auch nicht in meine alte Wohnung zurück, sondern lerne weiter von meinen jeweiligen Gastgebern… das hält mich wach, ist manchmal herrlich unbequem 🙂
Ich suche weiter nach meinem Platz, hier oder anderswo oder in Russland?
Ich glaube, das Spirituelle braucht Erdung, eine Heimat, die ich gestalten möchte – vielleicht ist das die politische Komponente der Spiritualität?
Und das Politische, die Gestaltung von Miteinander braucht immer eine spirituelle Komponente, das war bis vor kurzer Zeit unser westlicher christlicher Glaube – der hat jedoch aktuell massiv durch den „Virus der Wirtschaftlichkeit“ an Kraft verloren.

Virus der Wirtschaftlichkeit – das gefällt mir.
Aber das hast du doch vor ein paar Jahren auch schon gesagt?

40 Jahre Turbokapitalismus, 40 Jahre Globalisierung haben eine immense kollektive Angst hervorgebracht, die allerdings den wenigsten bewusst ist. Da genügte ein winziger Virus, um alles durcheinander zu bringen. Aber das war ein Zusammenwirken, eine Art Gleichzeitigkeit: Überregulierte Systeme neigen zu Überreaktionen – das ist der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings.

In Russland habe ich insbesondere in Sibirien viel „Wildwuchs“ erlebt. Dort ist natürlich auch verboten, einfach Land außerhalb der Wohngebiete zu kaufen und dort zu siedeln – aber das Land ist so groß, dass es die Menschen dort einfach machen. Diese entspannten Zonen des Wildwuchs fehlen mir hier in Deutschland sehr.

Menschen, die sich selbst mit dem grundlegend Notwenigen versorgen können, Nahrung aus dem Garten, Strom solar oder durch Wind, Holz aus dem Wald, Wasser aus dem Boden – OHNE dass der Staat da regulierend eingreift – das fehlt uns. Die so lebenden Menschen kämen vielleicht auf ganz neue Lösungen? Ich will nicht alles Bestehende verändern, ich wünsche mir lediglich Zonen dieses Wildwuchses…

Wie sieht der Alltag eines unabhängigen Menschen aus, der sich selbst versorgt und unabhängig ist. Der weiß, dass alles mit allem verbunden ist, der frei an der „Physik der Beziehungen“ (so nenne ich gern die Quantenphysik, die ebenso wie die Spiritualität weiß, dass alles mit allem verbunden ist…)
Vielleicht verbunden mit einem Permakultur-Ansatz – Bestehendes Schritt für Schritt umnutzen, und immer mit dieser besonderen Fähigkeit, aus Dreck Gold zu machen wie in allen Phasen der Menschheitsgeschichte, in der Pioniere auf Freiraum trafen.

Alles ist mit allem verbunden? Wir sind Individuen und Teile eines lebendigen Organismus – wie Zellen und Organe im Menschlichen Körper? Was hast du genommen, ich will es auch!

Wenn ich in  Russland von meiner Gottesbegegnung erzählte, fragten mich die Menschen: und was ER zu Dir gesagt?
In Deutschland werde ich immer wieder gefragt: was hast Du genommen? Oder bekomme gesagt: geh mal zum Arzt!

Als ich nach meiner Begegnung mit der ANGARA am Jenissei wanderte und campierte, fühlte ich mich wie ein Raubritter so frei und so geborgen wie im Schoss der großen Mutter…
Meine Körperzellen kommunizierten mit den Zellen des Waldbodens, ich war nur noch Zeuge und spürte Gleichzeitigkeit als neurophysisches „Brizzeln“, wie z.B. als Rechtshänderin von links aufs Pferd aufsteigen oder das erste Mal im Sommer die Schuhe ausziehen und die Füße den Reichtum einer Blumenwiese spüren zu lassen.

Ich war oft „außerhalb der Zeit“, spürte tausend Jahr wie einen Wimpernschlag … das ist doch wie 40 „facebook-posts“ an die eigene Verwandschaft, bloss nicht alles auf einmal, sondern immer am Ende des eigenen Lebens eine Übertragung des Wesentlichen auf die nächste Generation – so wie von meinem Vater zu mir.
Und das 40 Generationen lang (a 25 Jahre) – und schwupps, tausend Jahre Entwicklung! Wie stille Post über einen längeren Zeitraum in einer großen Schulklasse …
So könnte es gelingen, die quantenphysikalische Erkenntnis, dass Energie, Bewusstsein und Materie die gleiche Sache sind. Quasi ein Religions-Update, sowohl Jesus als auch Buddha haben bereits davon gesprochen, das wir Menschen EINS sind.
Quantenphysik ist Wissenschaft UND Religion: wir sind eins – alles ist mit allem verbunden. Das heißt nicht, dass alles „gleichgeschaltet“ ist: was für den einen gleichzeitig ist, muss für den anderen nicht gleichzeitig sein… es hängt vom Ort des Betrachters ab!

Sorry, ich muss dich das jetzt fragen, bist du jetzt erleuchtet?

Du meinst, der Detlev, er leuchtet?
Nein, ich glaube nicht an das Konzept „Erleuchtung“. Das ist eine gute Phase von mir gerade, ich freue mich schon auf die nächste Krise. Und auf die nächste Stufe dann danach, usw. – das einzig stetige bleibt für mich der Wandel.

Einer meiner Lehrer hat mal gesagt, Erleuchtungsmomente entstehen durch Zufall. Das fand ich damals ziemlich enttäuschend. Da strenge ich mich so an und dann: Zufall?
Doch dieser weise Mensch meinte, es sei möglich, ein zufallsanfälliges Leben zu führen, z.B. so zu tun, als wüsste man sehr wenig.
Ein zufallsanfälliges Leben zu führen heißt auch, ein fehlertolerantes Leben zu führen. Doch Zufallsanfälligkeit und Fehlertoleranz brauchen gleichermaßen Zeit. Wenn ich mich unter Stress fühle, wenn mir etwas zu viel wird, dann mangelt es mir eigentlich nur an Zeit.
Nicht in jeder Lebenssituation ist es möglich, sich lauschend an den nächsten Wasserlauf zu setzen. Das ist in der Natur genau so wie in der Zivilisation. Wenn es stürmt und schüttet oder ein LKW direkt auf einen zukommt, dann lauscht es sich ebenso schlecht wie beim Umsteigen in Berlin oder am Warschauer Busbahnhof. Auch lauscht es sich schlechter, wenn andere Menschen direkt um mich sind.

Doch wir lernen in der Schule, erfolgreich zu sein, den Umgang mit scheitern eher nicht. Es geht in der Schule um Reproduktion von Wissen, nicht um neue Wege. Wenn ich neues wage, mache ich automatisch Fehler, die ich liebhaben muss, um voll aus ihnen zu lernen.

Was sollten denn die lieben Kinderlein in der Schule lernen, großer Meister?

Lauschen. Lauschen in sich selbst hinein und dabei den „eigenen Film“ beobachten. Wie im eigenen Kopf ins „Kino“ gehen. Lauschen ist ein großes Geschenk, echtes Lauschen gibt es vielleicht auch nur zufällig. Manchmal wird es mir trotz überragender Situationen (in der Sonne am Bach) nicht geschenkt und manchmal bekomme ich es völlig unerwartet im überfüllten Zug.
Und die Gleichzeitigkeit. Diese Gleichzeitigkeit sprengt und schärft den menschlichen Verstand im selben Moment. Für diese Gleichzeitigkeit werden wir (noch!) nicht ausgebildet, entweder sollen wir gehorchen und aufgehen als Rädchen im System oder wir erleben uns als Individuum, das alle Grenzen sprengen kann. Nicht eines von beiden ist wahr, sondern beides ist gleichzeitig wahr. Ich bin Teil einer größeren Wahrheit und ich bin ein wahrhaftiges Individuum und muss meinen eigenen Weg finden, der gleichzeitig schon in mir angelegt ist. Ein tolles Rätsel! In der Schule könnten die Kinder Lösungswege ausprobieren… oder entdecken, dass das Rätsel selbst die Lösung ist 🙂

Und Du willst das wahrscheinlich nicht benoten?

Woher weiß ich, dass ich auf dem rechten, auf meinem Weg unterwegs bin? Das Gefühl, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, hatte ich früher, wenn ich verliebt war. Ein kompletter Irrweg, der eher meiner (damaligen?) Abhängigkeit nach Aufmerksamkeit geschuldet war.

Eine gute Freundin meinte mal, sie fühle ich auf ihrem Weg, wenn sie genügend ungeplante zufällige Begegnungen mit netten Menschen und schönen Situationen pro Tag habe. Die kleinen Zufälle des Alltags, sie denkt an jemand, ah, mal wieder anrufen und schwupps, trifft sie die Person beim Einkaufen….

Beim Wandern sind es für mich Wege, die „aufgehen“, die das Gefühl tiefer Stimmigkeit auslösen. Wege, die Kopf und Herz befriedigen … oder besondere Begegnungen mit Menschen!